Wie man Gelasssenheit erreicht?
Stress gehört für viele Menschen zum Alltag. Beruflicher Druck, private Verpflichtungen und die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit können zu körperlicher und emotionaler Überlastung führen. Hier kann eine ganzheitliche Herangehensweise unter Einbeziehung energetischer Faktoren hilfreich sein, um zu innerer Ruhe zurück zu finden.
Von Dr. phil. Doris Steiner-Ehrenberger und Benjamin Ehrenberger B.Sc.
Stress ist ursprünglich eine Überlebensstrategie des Körpers, um in Gefahrensituationen Energie bereitzustellen. Wird dieser Zustand jedoch chronisch und fehlen notwendige Erholungsphasen, kann dies fast jedes Organsystem schädigen.
STRESS UNTERBRECHEN
Ein Ausgleich durch Entspannung ist essenziell, aber nicht immer von alleine möglich. Um die Psyche zu schützen, ist eine Unterbrechung der Stressachse und der Abbau von Stresshormonen notwendig. Das schafft man oft schon mit Hilfe einer Auswahl an wirksamen Natursubstanzen, wobei ein „Tieferschürfen“ nach Traumata, Mustern, ererbten oder erworbenen unbewussten Belastungen dennoch sinnvoll und wichtig ist. Natursubstanzen wie Ashwagandha oder Rhodiola rosea zielen darauf ab, uns besser an Stresssituationen und die damit verbundenen Hormonausschüttungen anzupassen bzw. das unter Stress ansteigende Cortisol zu senken.
BEISPIELE FÜR STRESSREDUZIERENDE PFLANZEN
- Brahmi ermöglicht dem Körper die Anpassung an den Stress. Reduziert Stress und Angst, indem es Stresshormone reguliert und Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und GABA anregt. Brahmi verbessert sämtliche Gehirnleistungen, wirkt bereits am zweiten oder dritten Tag der Einnahme tiefgreifend entspannend (ohne müde zu machen). Sehr geeignet bei Hyperaktivität.
- Ashwagandha ist ein beruhigendes Nervenstärkungsmittel und hilft auch gut bei Zittern, Schwindel, Schmerzen und Ohnmacht, senkt Cortisol, löst Ängste, verhilft zu gutem Schlaf und regeneriert die Nebennieren.
- Rhodiola Mix ist eine Mischung aus Rhodiola rosea, Cordyceps Vitalpilz und Yamswurzel zur Anpassung an Stress. Hilft in Krisenzeiten wie Trennungen, Trauer, Prüfungen oder einfach einem stressigen Alltag.
- Die Aminosäure Glycin trägt effektiv zur Stressbewältigung bei. Schwächt Signale im ZNS ab und lässt die Muskulatur erschlaffen, beruhigender und entspannender Effekt, wirkt Stresssymptomen wie verengten Gefäßen und hohem Blutdruck entgegen. Senkt zudem den Cortisolspiegel, was den Stresslevel reduziert und die Resilienz gegenüber Belastungen erhöht.
- Tulsi Tee erleichtert die Stressanpassung, senkt stressbedingten Bluthochdruck, regeneriert die Nebenniere, hemmt die Cortisolausschüttung und stärkt die Nerven.
STRESS AUS WESTLICHER SICHT
Bei der westlichen Sicht von Stress stehen die Stresshormone und deren Folgewirkungen im Vordergrund der Betrachtungen. Alles dreht sich ums Cortisol. Das Stresshormon ist aber an sich „nichts Böses“, sondern erfüllt eine wichtige Funktion im Körper. Es wird in stressigen Situationen von den Nebennieren freigesetzt. Das Herz schlägt schneller, die Aufmerksamkeit steigt und wichtige Energiereserven werden angezapft, um uns für Herausforderungen zu rüsten. Dauert Stress allerdings zu lange an, drohen durch hohes Cortisol Folgeprobleme wie:
- Herz-Kreislauf: Bluthochdruck, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
- Muskulatur: Verspannungen, besonders im Nacken- und Schulterbereich, Rückenschmerzen, Spannungskopfschmerzen
- Verdauung: Magen-Darm-Beschwerden wie Magengeschwüre, Sodbrennen, Reizdarm, Blähungen, Durchfall
- Stoffwechsel: Erhöhte Ausschüttung von Insulin, Diabetes
- Immunsystem: Abwehrschwäche, unterdrückte Immunantwort, Allergien
- Wundheilung: Langsamere Geweberegeneration
- Haut: Hautreaktionen wie Neurodermitis, Hautausschläge, graue Haare
- Nervensystem: Einschlaf- oder Durchschlafprobleme, mehr Symptome wie Zittern
- Psyche: Innere Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen und Burnout
STRESS AUS SICHT DER TCM
Ganz anders sieht es die Traditionelle Chinesische Medizin. Da steht kein Hormon im Vordergrund, sondern das, was energetisch im Körper passiert. Hier ist es nicht die Nebenniere, die zählt, sondern die Leber. Sie ist das zentrale Steuerungsorgan für den freien und reibungslosen Fluss des Qi, der sich in Gelassenheit zeigt. Stress ist auf der körperlichen Ebene also ein Ungleichgewicht im Energiefluss der Leber und wird als eine Blockade gesehen, die als „Leber-Qi-Stagnation“ bezeichnet wird. Die vorherrschenden Emotionen sind dabei gar das komplette Gegenteil von „gelassen“. Jetzt kommt es darauf an, wie schnell wir das wieder überwinden, wie gut unsere Stressbewältigung ist. Und auch das wird von körperlichen Ursachen bestimmt, die von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind. Ob jemand tagelang auf Hochtouren läuft oder wieder leicht vom Gas runterkommt und wie er sich dabei fühlt, beschreibt die TCM sehr anschaulich. Hier ist die Chance, etwas grundlegend zu verbessern!
LEBER-QISTAGNATION ERKENNEN
Eine Leber-Qi-Stagnation wird ausgelöst durch Stress, unterdrückte Emotionen wie Ärger, Zorn oder Frustration oder durch plötzliche Ereignisse, die dem Leben eine andere Richtung geben, als geplant war. Auch Blutmangel nach der TCM kann Auslöser sein. Denn bei zu wenig Leber-Blut hat das Leber-Qi keine ausreichende Basis, um frei zu fließen. Das Leber-Blut hat die Aufgabe, das Leber-Qi zu „befeuchten“ und zu beruhigen. Fehlt dieses Blut, wird das Qi „trocken“ und beginnt zu stagnieren. Ein Leber-Blut-Mangel kann übrigens Folge eines Schocks sein, hat aber auch mangelhaft Ernährung, Stress, Zeitdruck, Schlafmangel und Überarbeitung als Ursache.
BIN ICH BETROFFEN?
Symptome der Leber-Qi-Stagnation: Schlafstörungen, Anspannung, Gereiztheit mit Unzufriedenheit, schnelle Stimmungswechsel mit depressiven Episoden, Seufzen, Verspannungen, Brustschmerzen, Kopfschmerzen (seitlich bzw. am Scheitelpunkt), Migräne, Nacken- und Rückenschmerzen, Menstruationsprobleme wie PMS und Dysmenorrhoe, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Sodbrennen, Globusgefühl im Hals, Schwindel und Tinnitus, Bluthochdruck und anderen Herz-Kreislaufthemen, Probleme mit Muskeln, Sehnen und Augen, brüchige, trockene, dünne oder blasse Nägel mit Längsrillen und aufgerollte Zungenränder.
Symptome des Leber-Blut-Mangels: Schlafstörungen, Ängstlichkeit, viele Träume, brüchige Haare und Fingernägel, Regelbeschwerden.
LEBER-QI-STAGNATION BEGLEITEN
Aus Sicht der Naturheilkunde gibt es kurzfristige und längerfristige Maßnahmen, die die Stressbewältigung erleichtern. Akupunktur hilft übrigens außerordentlich bei einer Stagnation. Beim Leber-Blut-Aufbau, wie überhaupt jedem Yin-Aufbau, muss aber genährt werden und das geht über die Ernährung und über Natursubstanzen.
- Pfefferminztee im Akutfall, meiden von „heißen“ Nahrungsmitteln wie Alkohol, Chili, Kaffee, Lammfleisch, Knoblauch und Frittiertem.
- Gerstengrassaft füllt das Leber-Blut auf, wenn durch den Stau Hitze und Trockenheit entstanden ist und kann schon allein damit einen freien Qi-Fluss fördern.
- Astragalus + Goji Beeren + Angelica sinensis erhöht die Stressresistenz, wirkt gegen Leber-Blut-Mangel.
- Mariendistel löst Leber-Qi-Stagnation im Akutfall auf, reguliert den Energiefluss und wirkt kühlend auf die Leberenergie. Sie hilft, durch Stress und angestaute Emotionen verursachte Blockaden zu beheben, indem sie den Qi-Fluss befreit. Sie löst Druckgefühl, Stimmungsschwankungen und Verdauungsbeschwerden wie saures Aufstoßen.
- Auricularia Vitalpilz füllt zu wenig Blut auf, bewegt feststehendes Qi und verteilt es. Außerdem harmonisiert der Pilz den Qi-Fluss und lindert die mit Stagnation verbundenen emotionalen Symptome wie Reizbarkeit, Druckgefühle oder eine gedrückte Stimmung.
- Reishi Vitalpilz wird langfristig eingesetzt, um das Leber-Qi zu beruhigen, das Leber-Blut aufzufüllen und die Leber zu harmonisieren. Er reguliert Stresshormone und löst emotionale Spannungen, die oft die Ursache für eine Leber-Qi-Stagnation sind. Nicht im Akutfall mit Hitze, aber bei lang bestehender Stagnation.
- Maitake Vitalpilz wir langfristig eingesetzt, um die Leber bei der Verarbeitung von Toxinen zu unterstützen, was indirekt einer durch Stress oder Überlastung verursachten Leber-Qi-Stagnation entgegenwirken kann. Nicht im Akutfall mit Hitze, sondern wenn die Leber-Qi-Stagnation bereits zu Erschöpfung geführt hat.
- Zunderschwamm hilft, stagnierendes Leber-Qi wieder in Fluss zu bringen. Er wird unterstützend bei der Entgiftung eingesetzt, was in der TCM essenziell ist, um eine Überlastung der Leber zu verhindern und lindert ebenfalls die typischen Symptome. Nicht im Akutfall mit Hitze, aber bei lang bestehender Stagnation.
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